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Können blinde Menschen bauchtanzen lernen?

| Methoden und Materialien | Erfahrungen

– Wie Inklusion von Menschen mit Sehbehinderung in die Erwachsenenbildung gelingen kann.

 


 „Eigentlich begann es damit, dass ich für ein Geburtstagsfest meines Mannes bauchtanzen lernen wollte. Und so habe ich mich zu einem Kurs von Doris Reisinger an der Volkshochschule angemeldet. Mir war klar, dass das für die Kursleiterin und die anderen Teilnehmenden eine außergewöhnliche Situation sein würde.

Am ersten Kursabend hatte ich schon ein wenig Bauchkribbeln, aber es hat dann alles wunderbar geklappt. Doris hat die Figuren nicht nur in Worten beschrieben, sondern sie hat sie mir auch an sich, beziehungsweise an mir gezeigt.“

Sylvia Oblak lacht, wenn sie sich an ihre ersten Erfahrungen als Kursteilnehmerin erinnert.
Die Ehrenpräsidentin des Verein Blickkontakt ist blind und setzt sich seit Jahren dafür ein, Bildung für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen.


Inzwischen hat sie schon viele Kurse gemacht – EDV, Reiki, Trommeln und sogar einen Schminkkurs.
Sie hat gelernt, welche Dinge wichtig sind, damit ein gemeinsames Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung erfolgreich ist.
Ihr Wissen gibt sie mittlerweile auch weiter. Sie bietet Workshops für Einrichtungen der Erwachsenenbildung an.
 

 

Es sind oft einfache Dinge, die eine barrierefreie Bildung unterstützen. Für Sylvia Oblak ist es das miteinander reden.
Es ist wichtig zu sagen, was man braucht und was man sich wünscht und zu fragen, ob das für die Kursleitung und die anderen Teilnehmenden möglich ist.

So wünscht sie sich zum Beispiel immer eine Vorstellrunde am Beginn des Kurses.

 

„Wenn alle zu Beginn ihren Namen sagen, dann kann ich die Stimme mit dem Namen verbinden, und weiß dann auch, wer gerade spricht. Noch besser ist es, wenn alle immer am selben Platz sitzen. Das hilft mir bei der Orientierung im Raum. Wenn ich das den anderen erkläre, dann ist es auch für alle OK, dass wir das so machen.“

Hören, Sehen, Tasten – mit diesen drei Sinnen erfassen wir Informationen, die wir fürs Lernen benötigen. Ist einer dieser Sinne - z.B. das Sehen - eingeschränkt, müssen die Informationen für die beiden anderen Sinne zugänglich sein.

 

Das bestätigt auch Christian Zehetgruber. Er ist selbst sehbehindert und leitet die Firma VIDEBIS. Das Unternehmen bietet ein großes Angebot an Sehbehelfen sowie Beratung für Menschen mit Sehbehinderung an.

 

„Wenn die Kursleitung auf eine Tafel oder ein Flipchart schreibt, ist es wichtig, dass sie mitspricht, was sie gerade schreibt. Wenn sie etwas zeichnet, soll sie mit Worten beschreiben, was sie gerade zeichnet.“

Er wünscht sich auch, dass die Unterlagen zum Kurs schon vorher an die Teilnehmenden geschickt werden. Blinde Menschen verwenden oft einen Screen Reader. Das ist ein Computerprogramm, das ihnen die Texte vorliest. Wenn sie die Kursunterlagen als Word Text per E-Mail bekommen, können sie sich leichter auf den Kurs vorbereiten oder die Kursinhalte wiederholen.

Für Kursteilnehmende mit Behinderung haben beide folgenden Tipp:

  • Sagen Sie, was Sie brauchen und was Sie sich wünschen.
  • Bringen Sie Ihre Ideen ein und fragen sie nach.

 

So sieht das auch Charlotte Knees. Die Musiktherapeutin ist seit vielen Jahren als Kursleiterin im Bereich der inklusiven Erwachsenenbildung tätig.

 

„Wer von uns sagt schon gerne, dass er etwas nicht verstanden hat. Aber die Teilnehmenden, die das tun, werden zu einer unglaublichen Hilfe für die ganze Gruppe. Sie geben damit die Möglichkeit zur Wiederholung. Und Wiederholung ist eine ganz wichtige Methode in der inklusiven Erwachsenenbildung.“

Sie sieht es als ihre Aufgabe, sich damit auseinander zu setzen, was jeder Kursteilnehmer und jede Kursteilnehmerin braucht, um an ihrem Kurs teilzunehmen, egal ob der Mensch eine Behinderung hat oder nicht.

Allen Kursleitenden empfiehlt sie, das Gespräch mit den Teilnehmenden mit Behinderung zu suchen und zu fragen, wo sie Hilfe brauchen und wie man sie unterstützen kann.
Denn – so meint sie - wir können nur miteinander voneinander lernen.

Die Aussagen der drei ExpertInnen sowie zahlreiche Tipps zur Barrierefreiheit in der Erwachsenenbildung finden Sie in dem Video „Bildung für ALLE – Schwerpunkt Sehbehinderung“.
Hier zum ansehen sowie auf unserer Website unter Material.

 

Eine Produktion von biv – die Akademie für integrative Bildung.

Interviews mit Silvia Oblak, Christian Zehetgruber und Charlotte Knees
Konzept: Beate Dietmann, Ilona Weigl, Cornelia Maria Gregor
Kamera & Gestaltung: Cornelia Maria Gregor

Logo von dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz Das Video wurde vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz mit finanziert.

Autorin

Ilona Weigl ist Mitbegründerin von biv – die Akademie für integrative Bildung. Vor ihrer Pensionierung war sie dort 24 Jahre als Geschäftsführung tätig


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